H. Schwarze

Heinz Schwarze, “Zeus” (1907 - 1998): 

Mathematik 

Unser Klassenlehrer in den Klassen 11m, 12m, 13m

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Zeus war eine außerordentliche Kapazität in Sachen Mathematik. Er bekam 1998 einen hervorragenden Nachruf in der Verdener Aller Zeitung, wie er sich den voll verdient hatte. Wilhelm Meineke persönlich soll den Artikel verfasst haben (VSt.).


"Ein außergewöhnlicher Lehrer

Heinz Schwarze gestorben/ Bis 1975 Oberstudienrat am Domgymnasium


Verden. Vor wenigen Tagen verstarb Oberstudienrat Heinz Schwarze. Vom 1. Juni 1947 bis über die Pensionierung hinaus unterrichtete er am Domgymnasium. 1975 wurde er endgültig aus dem Schuldienst entlassen. Es gab in der Zwischenzeit wieder dank der Förderung durch die Volkswagenstiftung mathematisch-naturwissenschaftlich orientierten Lehrernachwuchs.

Geboren in Bladiau, im ehemaligen Landkreis Heiligenbeil gelegen, wuchs er auf, legte am Hufengymnasium in Königsberg sein Abitur ab, studierte dann in Berlin an der Technischen Hochschule – zwischenzeitlich auch an der Königsberger Universität – Mathematik, Physik und Meteorologie. Nach seiner Assessoren-prüfung und der Zusatzausbildung für den Höheren Reichswetterdienst war er zunächst Assistent an der TH Berlin, später in Berlin, Königsberg, Lyck und Braunsberg als Studienassessor bis zu seiner Ernennung zum Studienrat 1943 tätig. Danach beschäftigte ihn der Reichswetterdienst als Regierungsrat, und schließlich diente er gegen Kriegsende in einem Fallschirmjägerregiment, bis er in Gefangenschaft geriet.

Am Domgymnasium fand er sich auf der Suche nach Wiedereingliederung in den Schuldienst in einem größeren Kreis ehemals auch in Ostpreußen tätiger Lehrkräfte wieder. Diese bildeten dann für lange Jahrzehnte den unbeugsamen Kern des Kollegiums und schrieben Schulgeschichte.

Oberstudienrat Schwarze war überzeugt davon, daß der Mathematikunterricht das eigentliche Rückgrat gymnasialer Ausbildung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein müsse. Wenige Lehrkräfte teilten an dem damals sehr stark von der stark altsprachlichen Bildung geprägten Domgymnasiums diese Ansichten.

Durchdrungen von der Überzeugung, berufen zu sein, dies zu ändern zu müssen, verfolgte Heinz Schwarze unbeirrt seinen Weg. Er entwickelte neue didakti-sche und methodische Gedanken und errichtete eine Struktur zeitgemäßen Unterrichts, die von Universitätsmathematikern aufgegriffen wurde und ihren Nie-derschlag in den so genannten Meilensteinen moderner Mathematikdidaktik, den berühmten Bänden von Griesel zur Analyse und seines Fachkollegen am Dom-gymnasium Böhnel zu linearen Algebra.

Schon früh gaben ihm die Schüler den Spitznamen „Zeus“ – ein Ausdruck, der die außerordentliche fachwissenschaftliche Qualifikation mit der über den irdenen Bedürfnissen und Möglichkeiten von Schülern schwebenden Anspruchshaltung und auch der durch den eigenen äußeren Habitus unterstützten Haltung, Hort der wahren Mathematik zu sein, miteinander verband. Seine Unterrichtsstunden waren aufgelockert. Er liebte es, mit heiteren Sentenzen und oft ironischen, selten direkt verletzenden Worten gegenüber weniger begabten seinen Unterricht zu würzen. Sie hatten aber auch kaum eine Chance, den Höhenflügen seiner Mathe-matik zu folgen.

Die Begabten allerdings waren hervorragend vorbereitet für das folgende Universitätsstudium. Wenige Gymnasialkräfte haben eine solche Anzahl fachwissen-schaftlich orientierter Schüler hervorgebracht wie „Zeus“ Schwarze. Das Domgymnasium hat ihm viel zu verdanken - ideell letztendlich das Herauswachsen aus der Enge altsprachlicher Schulbildung und materiell die Erweiterung der Schülerarbeitsbibliothek durch das Geschenk der fachwissenschaftlichen Privatbiblio-thek. Oberstudienrat Heinz Schwarze war ein außergewöhnlicher fachwissenschaftlich begabter Lehrer, der keinem seiner Schüler gleichgültig blieb – so oder so!"

© Ulrich Kohlstädt 2012