2014 Bericht

Wandertage auf der Schwäbischen Alb vom 23. bis 27. Juni 2014

So vernehmet denn die unernsten Sprüche Eures Mitwanderers, der sich – wie ge­wohnt – keiner peniblen Darstellung be­fleißigt, sondern leise lustvoll lästert.

Nachdem sich Wolfgang freiwillig ver­pflichtet sah, den harten Kern der ruhmrei­chen 13m/61 auf einer Wandertour im Juni 2014 die atemberaubenden , schwindeler­regenden Höhen des schwäbischen Hei­matgebirges hinauf und hinunter zu schleu­sen, meldeten sich als willige Tourbeglei­ter Helmut, Ken, Lutz, Heinz-Wilhelm, Uli und ich, Dieter, der ich jetzt diese Wande­rung aus meiner eigenwilligen Sicht stich­wortartig beschreiben will. Leider war dann Helmut infolge einer gereizten Odys­seus- ... äh..Achillesferse … oder -sehne unpäßlich.

Wolfgangs erste Angaben über die Stre­ckenlängen mit jeweils etwa 15 km schie­nen mir eine sehr geruhsame Altherrentour - dazu noch ohne beschwerlichen Ruck­sack - zu versprechen. Also da trafen sich tatsächlich die mit Bahn und Auto angereisten rüstigen Greise (Uli sogar aus Namibia) pünktlich am Ur­weltmuseum in Holzmaden. So ein Urwelt­fuzzi präsentierte uns begeistert die teil­weise in ermüdender jahrelanger Fron aus dem Dreck heraugeschabten Knochen ural­ter kriechender und schwimmender Repti­lien. Angesichts dieser geballten Knochen­schau begann mein Lendenwirbel zu stöh­nen und ich suchte eine Sitzgelegenheit.

Am nächsten Morgen begannen wir den Aufstieg und erreichten erleichtert den so­genannten Albtrauf. Anschließend beweg­ten wir uns auch auf sicherem Steig (nein, nicht als Sumpfmänner) durch ein niedli­ches kleines Moor wahrscheinlich auch Feucht-Biotop zu nennen. Der Urwelt ka­men wir dann wieder nahe beim Besuch der Gutenberg-Höhle.

Am nächsten Tag drohte dann eine sich lang dahinziehende Wanderstrecke durch den ehemaligen Tr.Üb.-Platz (so war er bezeichnet) Münsingen. Der hat sich heut­zutage als Biosphärengebiet verkleidet. Uns führte dort fast barfuß ein langmähni­ger Waldschrat. Freundlich überzog er uns mit Erläuterungen und den Namen verwir­rend vieler Pflanzen, die ich am Abend be­reits vergessen hatte. Plötzlich Halt! Eine Ameisenstraße querte angeblich unseren Weg. Es gelang mir, sie zu überwinden ohne Schaden für Leib und Leben dieser verstörten Tierchen. Nach Kens sparsamer Berechnung hatten wir an diesem Tag 20 km unter unsere Wanderschuhe genom­men. Ich kam auf 22 km, aber gefühlt 24 km.

Ein Großraumtaxi (GRT) ist eine menschen­freundliche knochenschonende Möglich­keit der Verkürzung von Wanderstrecken. Wir nutzten eines. Die Lauter plätscherte sanft und leise. Ausgiebige Rast im „Bootshaus“ (fernab der Lauter). Wieder GRT, abends schön gegessen im Hotel Herrmann. Auch an diesem Tag wollte uns Ken nur 13 fußläufige km zugestehen. Ich glaube, er hatte seinem Hai-Tek- Schritt­zähler nicht die richtigen Startzeiten ange­deihen lassen. Ich kam auf 18.

Heute näherten wir uns den Uracher Was­serfällen. Es war Feiertag, Fronleichnam. Beim Abstieg dorthin mußten wir uns mühsam einen Pfad bahnen durch Heer­scharen von Ausflüglern, mit und ohne quengelnde Kinder, auf Wanderschuhen und Sandalen, Gruppen, auch Kopftuchträ­gerinnen wurden gesichtet. Irgendwie ge­lang es uns, uns auf einsameren Wegen nach Urologach, … äh... Urach durchzu­schlagen. Eigentlich war ich dann müde, Körper und Seele verlangten nach einem kräftigen Trunk. Aber nein, wir mußten noch einmal antreten zu einem 3,5 km langen Sonder­marsch in das Zentrum dieses weit ausein­ander gebreiteten Ortes. Uff!- Erleichte­rung, zurück im GRT.

Morgens wieder hinauf auf den Albtrauf. Das Wort hängt wohl mit triefen zusam­men. Aber der Schweiß troff nicht, weil es zum Glück nicht heiß war. Noch ein Stück hinauf und wir standen in der Burg-Urine.. ich meine Burgruine Hohenneuffen. Weiter Blick. Dann der letzte Abstieg. Problem: Wo zu Abend essen? Viele Gasthäuser sind – war­um auch immer – geschlossen. Haben es die behäbigen eingeborenen Häuslebauer gar nicht mehr nötig, mit der Bereitstellung von Speis und Trank ihr Sparkonto zu füt­tern? - Dann landeten wir beim Griechen, warum auch nicht.

Mein Resümee:

Eine ansprechende Wanderung traufauf, traufab bei sonnigem Wetter. Alle blieben gesund, was auch immer man bei älteren Herrschaften, die sich im Spätnachmittag ihres hoffentlich sinnerfüllten Lebens noch ohne Krücken fortbewegen können, als ge­sund bezeichnen mag. Wolfgang war stets Herr der Wanderlage. Lutz knobelte mit ihm aus, wo es weiter­geht. Heinz-Wilhelm schoß mit anspruchs­voller Kamera Fotos, die er uns hoffentlich auch irgendwann übermitteln wird. Uli und Ken lockerten die Ruhe der Alb auf mit ausdauerndem Meinungsaustausch über Smartphone, Internet, Apps und wie das Gedöns sonst noch heißen mag. Aber das war ja kein Problem. Wer etwas verin­nerlichen wollte, daß wir durch eine ruhige Landschaft streifen, konnte sich ja hundert Meter zurückhängen lassen. So geschehen.

Mein Vorschlag: In Zukunft vielleicht vier Tage wandern mit IT-Abstinenz, zwei Tage dranhängen für IT-Konferenz. Ha,ha,ha!

Ein Blick in fernere Wanderjahre läßt mich gelinde erschauern. Keine Berge mehr, kei­ne Kilometerfresserei, statt dessen die Su­che nach barrierefreien Wegen, die wir mit unserem Rollator meistern können. Selbst schuld, warum wollen wir denn uralt werden, anstatt uns rentenschonend in die Kiste zu legen oder uns im Rauch der Ver­brennungsgase dem Erdenleben zu entzie­hen?

Na, dann, auf du alter Wandersmann!

---- Dieter am 6. Juli 2014 —   

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