Schola

Das Domgymnasium zu Verden/Aller

- keine Kaderschmiede, aber schon damals eine Bildungseinrichtung mit gutem Ruf -

Wessel1

    Originalzeichnung des ehemaligen Lehrers Erich Wessel


Was die höhere Schulbildung betraf war Verden der stolze Mittelpunkt des Kreises Verden. Nur hier gab es eine Oberschule (für Neusprachen) für Mädchen und eine für Jungen (für Altsprachen, Mathematik / Naturwissenschaften), das altehrwürdige Domgymnasium, das einst aus der klerikal geprägten Domschule am Lugenstein hervorging. [Mädchen konnten nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Schulamtes das Domgymnasium besuchen.] Zu unserer Zeit machten nur 9% aller Schulpflichtigen ihr Abitur. Ja, wir mußten damals Schulgeld zahlen, meines Wissens waren es 15 DM pro Schuljahr. Es gab dreimal Zeugnisse, zum Herbst, zu Weihnachten und zu Ostern und weil die Versetzung zahlreicher Mitschüler gefährdet war, gab es jede Menge Blaue Briefe. Der Bildungsparcours war gespickt mit Hindernissen. Unsere Jahrgänge waren ab 1950 besonders stark. So hatten 1950 insgesamt Schüler 135 die Aufnahmeprüfung bestanden. Das ursprünglich zweizügige Gymnasium mußte erstmalig für eine dritte Parallelklasse eingerichtet werden. Das Abitur erreichten trotzdem nur etwas über 30 Schüler in schlussendlich zwei Parallelklassen, einer altsprachlichen und einer mathematisch - naturwissenschaftlichen Klasse. Auf dem Wege dorthin wurde also gnadenlos gesiebt. Manch ein lieb gewordener Klassenkamerad ging verloren. (VSt.)


Eines der ersten Ereignisse, das uns junge Schüler der sechsten und siebten Klasse in Erinnerung blieb, war die Feier zum 375-sten Gründungsjahr des Domgymnasiums am 19. und 20. September 1953, über das von Volkrat Stampa nachstehend anschaulich berichtet wird:


„375 Jahre Domgymnasium Verden“

Eberhard von Holle

Die Titelseite der Festschrift mit dem Gründerbischof Eberhard von Holle

wurde von Erich Wessel entworfen.


1578 - 1953.

Nun wurde also 1953 mit allem erdenklichen Pomp das 375-Jährige Domgymnasium gefeiert. Eine Großveranstaltung gab es im Dom mit Ansprachen und Gesang. Wichtiger Bestandteil des Festes war das Gedenken an die im 2. Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer. Eine lange Liste war nach dem Entwurf von unserem schon pensionierten Zeichenlehrer Erich Wessel in Holz geschnitzt worden. Diese Tafel wurde im Dom eingeweiht und später in der Aula aufgehängt, wo sie immer noch eine gotische Nische ziert.

Fidi Lenthe hatte [mit dem Schulchor] wochenlang mehrstimmige Gesänge eingeübt und ließ sie uns von der alten Orgelempore vortragen. Das Schulorchester begleitete uns. Die Ansprachen wurden nicht nur in deutscher Sprache gehalten sondern auch lateinisch und griechisch. Weil es für die Schüler eine Pflichtveranstaltung war und viele Ehrengäste gekommen waren, war der Dom mit stolzen Menschen wie vielleicht schon zu Kaisers Zeiten gut gefüllt. … Ja, Verden sollte stolz auf sein altes Domgymnasium sein, das mit seinen Bildungsansprüchen nicht weit entfernt von einer Universität verstanden sein wollte. (VSt.)

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Ausführliche Informationen über unsere Wirkungsstätten, das Domgymnasium, und die Stadt 
Verden an der Aller, in der keiner von uns mehr wohnt, sind auf hier aufrufbaren eigenen Websites zu finden.


© Ulrich Kohlstädt 2012